Die ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision) klassifiziert die Transidentität (auch Transsexualität oder Transsexualismus genannt) derzeit noch als eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung, die dann vorliegt, wenn ein Mensch körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht möglichst anzunähern. Diese Einordnung ist heute sowohl unter Fachleuten als auch in den Reihen der Betroffenenvertretungen sehr umstritten. Es ist fraglich, ob Transidentität tatsächlich als Krankheit anzusehen ist oder vielmehr als eine weitere Variante zu den herkömmlichen Geschlechtsformen. Transidentität kann jedoch krank machen, wenn sie nicht behandelt wird. Aus diesem Grund ist auch eine Leistungspflicht der Krankenkassen gegeben.

Daher ist aus unserer Sicht die Einordnung in den F64-Bereich der ICD-10 nicht gerechtfertigt und sollte bei der nächsten anstehenden Revision zur ICD-11 (erwartet im Jahr 2017) korrigiert werden. Möglich wäre beispielsweise eine Einordnung in den Q5-Bereich oder eine komplett neue Einordnung. Eine komplette Herausnahme der Transidentität aus der ICD-11 wird von unserer Seite nicht angestrebt, da eine eine Leistungspflicht der gesetzlichen und privaten Krankenversicherer zur Kostenübernahme für chirurgische, endokrinologische und sonstige somatische Maßnahmen unbedingt erhalten werden muss. Tiefergehende Informationen hierzu finden Sie auch in unserer Stellungnahme zur Überarbeitung der Behandlungsleitlinen für Transsexuelle.

 

 

Menschen, die physisch weiblich sind, aber ein männliches Identitätsgeschlecht haben, werden in der Regel als Frau-zu-Mann-Transsexuelle oder Transmänner bezeichnet. Menschen, die physisch männlich sind, aber ein weibliches Identitätsgeschlecht haben, bezeichnet man entsprechend als Mann-zu-Frau-Transsexuelle oder Transfrauen. Transsexuelle Menschen mit medizinischer und / oder juristischer Geschlechtsanpassung bezeichnen sich oft nicht mehr als transsexuell, sondern einfach nur als Mann bzw. Frau.

Gerade das Wort Transsexualität vermittelt den Eindruck, es handle sich dabei um eine sexuelle Spielart. Es lässt im unbedarften Mitmenschen die Vorstellung aufkommen, der bzw. die Betroffene fände mit der "Lust auf das andere Geschlecht" eine sexuelle Alternative, lebe damit eine "Perversion" aus. Diese Betrachtungsweise vermittelt jedoch ein vollkommen falsches Bild und führt zu den allgemein bekannten Missverständnissen.

Transsexuelle Menschen tragen die Kleidung ihres Identitätsgeschlechts nicht, um sich einen erotischen "Kick" zu verschaffen. Auch nicht um damit Aufmerksamkeit zu erregen oder eine Show zu machen wie es in der künstlerischen Form, der Travestie der Fall ist. Sie tragen einfach nur die Kleidung ihres Identitätsgeschlechts wie jede/r Angehörige des entsprechenden biologischen Geschlechtes auch.

Transsexuelle haben, oft von der Kindheit an, das starke Gefühl im falschen Geschlecht geboren zu sein. Dies geht meist mit dem Gefühl des Unbehagens oder der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht einher. Es besteht das Ziel, als Angehöriger des anderen anatomischen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden.

Eine hormonelle und chirurgische Behandlung, um den eigenen Körper dem empfundenen Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen, kann hier Abhilfe schaffen und den teilweise immensen Leidensdruck der Betroffenen lindern. Zusätzlich sind weitere Behandlungen wie Bartentfernung, Logopädie zur Stimmangleichung usw. dringend erforderlich, um ein stimmiges Bild im Auftreten der Betroffen zu gewährleisten und somit das Leben im Alltag zu erleichtern oder gar erst zu ermöglichen.