Wenn es stimmt, dass Männer vom Mars kommen, dann hat Tom einen weiten Weg vor sich. Bei Tom ist dem Chef nämlich ein unglückliches Missgeschick unterlaufen. Irgendwie ist sein Y-Chromosom bei seiner Zeugung abhanden gekommen und dafür hat sich ein zweites X-Chromosom eingeschlichen, was für Tom die Folge hatte, dass er als Mädchen geboren wurde. Tom findet das natürlich nicht besonders witzig, denn er fühlt sich trotz körperlich eindeutig weiblicher Ausstattung als Mann. Deshalb stellt er oft Fragen an sein Schicksal. Doch anstatt ein Leben lang Trübsal zu blasen, macht er sich auf den mühseligen Weg zum Mars, um endlich als Mann zu leben. Wie Menschen mit dem Thema Transsexualität umgehen, egal ob sie betroffen sind oder nicht, fand Tom letztendlich spannend genug, um es niederzuschreiben.

Schon mit zwei Jahren lehnte ich Kleider und Röcke, Zöpfe und Puppen ab. Ich spielte mit Autos, hasste mein langes Haar und behauptete felsenfest, dass ich der "rote Mann" sei. Allerdings, wer ist denn der "rote Mann"!?!

Für mich selbst bleiben aus dieser Zeit nur Bilder im Fotoalbum übrig. Erinnerungsstücke an ein gelebtes Stück Zeit.

Ich würde mich spontan als glückliches Kind bezeichnen, zumindest bis kurz vor meiner Pubertät. Ich war ein Wildfang, der es liebte, auf Bäume zu klettern, mit anderen Jungs zu kämpfen und mit seinem "Motorrad", was ja eigentlich nur ein Fahrrad war, in der Stadt herumzurasen.

Wenn ich nicht im verhassten Kindergarten war, spielte ich alleine oder mit Freunden im Hof meiner Uroma.

Konnte ich mich zu jener Zeit an den Nachmittagen nicht erfolgreich hinter einen Sessel bei meiner Uroma verstecken, wurde ich in den Kindergarten geschickt.

Ich war Mitglied der grünen Gruppe und fragte mich oft, ob man mich dort für einen Jungen oder für ein Mädchen halten würde. Bei den Kindern war ich mir sicher, dass sie glaubten, ich wäre ein Junge, aber was wussten die Kindergärtnerinnen?

Ich hatte ihnen meine Weiblichkeit nicht verraten und mein Verhalten war eindeutig knabenhaft. Innigst hoffte ich, dass sie mich als Jungen wahrnahmen. Denn eines war sicher ... ein Mädchen wollte ich nicht sein und als solches wollte ich auch nicht gehalten werden.

Warum war ich eigentlich eines?

Eigentlich hatte der liebe Gott nur vergessen, mir da unten dieses kleine Ding zu schenken. Aber von diesem Defizit wussten ja nur ich und natürlich meine Eltern.

Aber ansonsten hatte das ja noch keiner gesehen. Das konnte mich doch nicht daran hindern, eines Tages ein genauso starker Mann zu werden, wie mein Papa.

Und sicher konnte es keine Kraft der Welt schaffen, sich meinem starken, mentalen Willen zu widersetzen und mich eines Tages zu einer Frau, mit einem Busen zu machen.

Nein, das würde nicht passieren, das wusste ich genau. Darüber hätte ich Wetten abschließen können. Auf keinen Fall würde ich eines Tages eine Frau sein, mit einem Busen, einem weiblichen Gesicht und einer Piepsstimme.

Oder etwa doch?

Transsexualität oder Transsexualismus ist laut ICD-10, der "Internationalen Klassifizierung von Krankheiten" der Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung. Sie liegt vor, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht so gut wie möglich anzunähern.

© 2009 Tom Becker
Alle Rechte liegen bei dem Autor
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ISBN: 9783839102916
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt

Besuchen Sie hierzu auch die Autorenlesung am 7. April 2010 bei Trans-Ident Ansbach.